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    Gut wie Böse – Teil 1:  Ist der Mensch gut oder schlecht?


Vor einigen Jahren nahm ich an einer Messe in Wien in einer alten Dorfkirche teil, in welcher ein bekannter österreichischer Kardinal einer Gruppe von fünfzehnjährigen Mädchen und Jungen die Firmung erteilte. Zu ihnen zählte auch der Neffe meiner Partnerin – deshalb war ich dort. Der Kardinal, mittlerweilen 96 Jahre alt und sehr rüstig, erklärte den Firmlingen das Sakrament. Bei dieser Gelegenheit konnte man – wenn man genau hinhörte – etwas über das Menschenbild des Kardinals erfahren, das ein getreues Abbild des Menschenbildes der Kirche darstellt. In einem Nebensatz sagte er sinngemäß: "Die jungen Leute sind gar nicht so schlecht, wie immer behauptet wird", was nichts anderes bedeutet, als dass sie doch eben schlecht sind – nur nicht so schlecht – was immer das bedeuten mag. In einem anderen Nebensatz kurz darauf sagte er: "Man kann mit den Erwachsenen ja sowieso nicht über anspruchsvolle Dinge, wie den Sinn des Lebens, reden. Die haben den Kopf ja eh nur voll mit Äußerlichkeiten, sind krasse Materialisten". Also sind auch sie schlecht, schließt man messerscharf, denn sie tun ja nicht das, was die Kirche predigt.

Der langen Rede kurzer Sinn: der Mensch ist schlecht oder anders ausgedrückt, Menschen sind Sünder – und deshalb brauchen sie auch die Kirche. Dort können sie ihre Sünden bereuen und werden durch den Kreuzestod erlöst. Mit Altersresignation oder Alterszynismus kann man diese Äußerungen schwerlich erklären. Dem Kardinal ist es trotz seines hohen Alters noch immer nicht gelungen, das Wahre, Schöne und Gute im Menschen zu entdecken. Warum nicht? Weil er ein treuer Diener der Kirche ist und die das nicht lehrt. Wo bleibt die viel gerühmte Altersweisheit? 96 Jahre alt und immer noch einen Kleinkinderglauben? Etwas geistig Anspruchsvolles war jedenfalls von ihm nicht zu hören.



Ich möchte hier also die Frage stellen: Ist der Mensch von Grund auf gut oder schlecht? Vielleicht werden Sie jetzt sagen: Gut natürlich! Und ich würde sagen: Falsch! Hier hilft kein positives Denken. Das hat übrigens immer nur sehr begrenzte Wirkung. Man kann sich nicht andauernd belügen. Irgendwann brechen die Selbstachtung und der Wunsch nach Ehrlichkeit durch. Also ist der Mensch schlecht – könnten sie mit dem zitierten österreichischen Kardinal messerscharf schließen - und ich antworte wieder: Nein. Wenn der Mensch aber weder gut noch schlecht ist, was ist er dann? Der Mensch ist manchmal gut und manchmal schlecht. Beides ist gleich gültig.

Wenn sie fragen: Was ist der Mensch, dann lautet die Antwort anders als wenn sie fragen: Was ist der Mensch von Grund auf. Dieses "von Grund auf" deutet auf die Seele, das Höhere Selbst, die der Mensch in Wirklichkeit ist. Und wie ist der Mensch nun "von Grund auf", ist er gut oder schlecht? Lassen sie mich schrittweise vorgehen: Die Seele ist Kanal für die göttlichen Botschaften, die wir als intuitiv empfangen einstufen. Wir sind die Seele - auch wenn wir es noch nicht gemerkt haben - und die Persönlichkeit sollte nur das Werkzeug, der Diener der Seele sein – wogegen wir uns zuzeiten heftig wehren. Kann die Seele also schlecht sein? Nein. Kann sie gut sein? Ja – Gott ist gut und unser göttlicher Anteil ist auch gut. Also ist der Mensch gut?



Bei diesem Gedankengang haben wir etwas ganz Wesentliches übersehen: Die Seele lebt nicht in einer Welt von gut und böse. Das tut nur die Persönlichkeit. Die Seele ist über diese Schwarzweißmalerei hinaus: gut und böse, hell und dunkel, hoch und tief, Tag und Nacht etc. Das ist das, was man Dualität (Zweiheit, Gegensätzlichkeit) oder – wenn der Gegensatz komplementär ist – Polarität nennt – es gibt von allem auch das Gegenteil - yin - yang. Die Seele aber lebt jenseits von Dualität und Polarität. Diese Gegensätze sind die Grundlage der Schöpfung so wie wir sie als Menschen erleben. Aus erweiterter Sicht ist das aber eine Illusion. Der Kosmos sieht für die Seele völlig anders aus als sie die Persönlichkeit erfährt.

Was für die Persönlichkeit gut und böse ist, ist für die Seele keines von beiden. Für die Seele ist alles gleich gültig! Sie sollten damit keinesfalls etwas entsetzlich Langweiliges verbinden, einen gleichmäßigen Mischmasch, Nullbock oder die Gleichmacherei der Politik und Gutmenschen ... Das ist keine Übertreibung! Viele Menschen sehen das mit Angst in den Augen so! Sie verwechseln "gleich gültig" mit egal, "wurscht" und Einheitsbrei. Es ist nicht einfach, die Dualität zu verstehen. Wir sehen sie meist als unvereinbare Gegensätze; sie kann aber die zwei Seiten einer Münze darstellen, dann ist es eher die Polarität. Dann sind die gegenteiligen Bezeichnungen bereits untrennbar verbunden. Von dort zur Sichtweise der Seele ist dann nur noch ein kleiner, aber feiner Denkschritt, den zu gehen uns aber so schwer fällt.

Wir haben es bisher vermieden, das Böse anzusprechen, das Übel etc. Jetzt ist es an der Zeit die Frage zu stellen: Gibt es das Böse wirklich oder ist es auch nur Illusion? Ich darf ihnen mit Meher Baba antworten: Es gibt kein Böses. Es gibt nur verschiedene Grade des Guten.  Das ist kein Gag. Es ist die Wahrheit. Sie drückt aus, dass alles, was Ihnen begegnet, ob Sie das nun als gut oder als böse bezeichnen, zu Ihrem Wachstum gereichen kann. Das ist keinesfalls eine Verniedlichung des Bösen. Das, was Sie als das Böse bezeichnen, existiert so nur in Ihrer Wahrnehmung des Kosmos. Mit Ihrem falschen Denken und Ihrer eingeschränkten Bewusstheit können Sie ihn nicht so wahrnehmen wie er ist. Sie sehen ihn nur immer so, wie er Ihnen erscheint oder noch besser, wie Sie sich den Kosmos vorstellen.

Sie sind die Schöpfer ihrer "Realität". Das schließt die wissenschaftliche Forschung z. B. der Physik mit ein. Auch die vielgepriesenen "Doppelblindstudien" sagen nur etwas aus über die Zustände in der selbst erzeugten Illusion und rein gar nichts über die Wirklichkeit. Physikern an der Forschungsfront dämmert diese Erkenntnis nun langsam und erzeugt verständlicherweise erheblich Unruhe, weil das ganze alte Weltbild von der Unerschütterlichkeit der naturwissenschaftlichen Forschung ins Wanken gerät. Unter Wissenschaft finden Sie auf dieser Website viel zu diesem Thema.



Wenn alle Menschen blind wären, dann käme z. B. niemand auf die Idee, dass es so etwas wie Licht gäbe. Das sagt über die tatsächliche Existenz von Licht aber rein gar nichts aus. Wir begreifen die Welt als dual. Von allem gibt es zwei gegensätzliche Seiten. Das ist unser Denkmuster; es ist unser Erkenntnisraster - alles was dadurch nicht passt, existiert für uns nicht. Wir nehmen es erst gar nicht wahr. Deshalb werden wir dieses trügerische und zur Verfälschung der Wirklichkeit führende Muster nur sehr schwer los. Wir sind von Kindesbeinen darauf getrimmt. Das ist uns so sehr in Mark und Pfennig übergegangen, dass niemand - außer ein paar Philosophen und Weisen - daran zweifelt.

Und da dieses Konzept im täglichen Leben zu stimmen scheint, gehen wir stillschweigend davon aus, dass das die Wahrheit ist, die der Wirklichkeit entspricht. Alle Beobachtungen, die gegen dieses Erkenntnisraster sprechen, blenden wir unbewusst sofort aus. Deshalb ändert sich unsere Erfahrung der Welt nicht. Ist das für Sie ein Augenöffner? Ich selbst hätte nie gedacht, dass philosophische Konzepte einen derart elementaren Einfluss auf das tägliche Leben haben, sagte ein Freund kürzlich zu mir, nachdem wir über diese Fragen diskutiert hatten. Hier geht es aber gar nicht um philosophische Konzepte. Es geht darum, wie wir als Menschen tatsächlich funktionieren! Ständig schwingen wir von einem Extrem zum anderen. Und wer das vermeiden will "setzt sich still in eine Ecke und wartet, bis der Anfall vorüber ist" und ist schon wieder in einem Extrem: diesmal dem Extrem des Nichtstuns im Gegensatz zum Ständig-Etwas-Tun.

Peter Sloterdijk


Wenn Buddha sagt, wir sollen in die Mitte kommen, so meint er: wir sollen die Illusion von Dualität/Polarität verlassen. So wie die meisten Menschen das Böse wahrnehmen ist es nur Teil der Dualität und das Gegenteil des Guten. Das Böse ist für sie - wie das Gute - das Resultat der illusionären Wahrnehmung der Schöpfung und deshalb selbst Illusion. Wenn es so etwas gibt wie "das Gute" so muss es in einem dualen Kosmos auch so etwas wie "das Böse" geben. Ein göttliches, über der Schöpfung stehendes Böses (oder Gutes) gibt es aber nicht.Es ist wahr, dass in diesem Kosmos ununterbrochen Neues entsteht und Altes vergeht. Der gesamte wahrnehmbare Kosmos ist aus der Energie des Urgrundes entstanden und wird von ihr immer belebt, beseelt. In unserer irdischen Welt ist es auch vorgesehen, dass wir im Laufe unserer irdischen Erfahrungs- und Forschungsreise in die Versuchung kommen, den Kosmos in verzerrter dualer Form zu sehen und darunter zu leiden oder uns darüber zu amüsieren, zu freuen. Warum das so ist? Wir werden im zweiten Teil näher darauf eingehen.

Das Böse ist – wie das Gute - einzig und allein die Folge einer illusionären Fehlinterpretation des Kosmos durch den Menschen. Wenn wir Menschen alles sehen, alles hören, alles fühlen, alles schmecken und alles ertasten könnten - und zwar so wie es wirklich ist -, dann würde es kein Böses geben, denn Böses kommt von Begrenzung der Wahrnehmung. Es ist unsere Sicht der Welt. Aus der Sicht der Seele gibt es kein Böses - aber auch kein Gutes. Auch alle anderen göttlichen Wesenheiten sind ohne jeden Zweifel jenseits der Dualität. Deshalb kann man sie auch nicht mit Begriffen aus der Dualität beschreiben. Licht ist ein solcher Begriff aus der dualen Illusion.



Gott ist weder Licht noch Dunkelheit. Sie kommen der Wahrheit am nächsten, wenn sie über Gott von dem Wesen sprechen, über das wir Menschen - eingefangen in die Illusion der Dualität - im Grunde genommen nichts Wesentliches aussagen können, weil er außerhalb dieser Dualität existiert. Aber sagen sie das einmal Lieschen Müller. Sie will einen Gott zum anfassen, zum knuddeln - zumindest aber einen Gott, zu dem sie ehrfürchtig aufschauen kann und den sie mit Attributen aus der ihr vertrauten Welt belegen kann, die sie überhaupt nicht als illusionär empfindet. Dass ihre Idee eines gütigen, allmächtigen Gottes eine Illusion ist, dämmert ihr nur wage in dunklen Stunden des Zweifels nach einem furchtbaren Unglück oder dem Tod einer geliebten Person.

Man hat den alten Griechen, Römern und Germanen vorgeworfen, sie hätten die Götterwelt ihres Himmels mit allzu menschlichen Attributen ausgestattet. Der christliche Gott unterliegt dieser Feststellung ebenfalls - mit nur geringen Abstrichen. Die griechischen und römischen Götter hatten immerhin gute und böse Eigenschaften und kamen damit der Wirklichkeit sogar näher als der christliche Gott, der einseitig nur gut sein soll. Jehova wird sogar als der eifersüchtige Gott beschrieben. Das Böse, den Teufel projizierte man dann auf die Nichtchristen, z. B. auf die Juden, die angeblich Jesus getötet haben. Dass das eine ungerechtfertigte, billige Projektion ist, die nur zu Verfolgungen und Kriegen führt, liegt auf der Hand. Es ist kindisch zu glauben, man selbst sei immer der/die Gute und die anderen sind die Bösen.

Weil das Böse genauso Teil ist vom Ganzen wie das Gute, kann man nicht einfach das Böse verdammen und nicht haben wollen, weil einem dabei auch das Gute zwischen den Fingern zerrinnt. Beide sind die zwei Seiten einer Medaille. Wenn Sie den "Kopf" nicht mögen und deshalb die Münze wegwerfen, dann verlieren Sie auch die "Zahl". So einfach ist das.

Was die Angelegenheit aber besonders brisant macht: der Mensch ist eine nonduale Seele, die eine duale Persönlichkeit besitzt. Die Persönlichkeit erscheint gut und böse,  die Seele ist gut wie böse bzw. weder noch. Diese Erkenntnis hat auch Bezug zu der immer wiederkehrenden Diskussion über die rechts- oder linksradikalen Anarchisten in der Politik. Einerseits gewährt Demokratie Freiheit der Meinung und dessen Ausdruck. Andererseits schränkt sie diese Freiheit wieder ein indem sie sagt: die Mehrheit bestimmt, welche Meinungen frei verkündet werden dürfen. Sie dürfen nicht zu radikal sein:

Sind sie gegen die Staatsform der Demokratie insgesamt, dann sind sie verboten. Wenden sie sich gegen die Religion einzelner oder vieler Mitglieder sind sie ebenfalls verboten. Wird die viel gerühmte Zivilcourage zu mutig, dann wird sie von den wirtschaftlichen Interessen nieder gemacht, usw. Das ist ein heikles Problem.

Es gibt in der Welt außer dem, was wir oben als das Böse bezeichneten noch etwas besonderes. Das sind die Kräfte, die grundsätzlich gegen den göttlichen Plan arbeiten, nicht nur gegen Details. Ich nenne sie hier einmal "das Übel". Sollen wir diese Kräfte akzeptieren oder sie bekämpfen oder vielleicht einfach ignorieren?

Natürlich sind diese Kräfte auch Teil der Dualität und der großen Illusion. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als diese Kräfte zu tolerieren. Ignorieren halte ich für falsch und gefährlich. Schließlich sind sie da. Akzeptieren brauchen wir sie jedoch nicht; wir dürfen unseren eigenen, andersartigen Standpunkt vertreten und wenn nötig auch gegen diese Kräfte Stellung beziehen oder gar aktiv gegen sie vorgehen. Dabei sollte man jedoch Vorsicht walten lassen, damit man nicht Energie verschenkt, die anderswo kreativ positiv besser angelegt wäre. Viele wohlmeinende Menschen aus der Kuschelesoterik-Szene sind grundsätzlich gegen Kampf. Damit verleugnen sie jedoch einen der drei Aspekte der Gottheit: den Willensaspekt. Wer das tut wird einseitig, kann nicht heil oder heilig werden.



Und wie ist das dann mit der Liebe Gottes? Man sagt doch oft: Gott = Liebe oder auch Gott = Bewusstheit. Hier müssen Sie unterscheiden zwischen irdischer Liebe als Gegenteil von Hass und einer Qualität, die man bedingungslose Liebe nennt. Genauso gibt es ein sehr hohes "Bewusstsein" über dessen Eigenschaften wir Menschen nicht viel aussagen können. Wir wissen einfach nicht wirklich was das für Eigenschaften sind. Wir wissen nur, dass sie ganz anders sind als in unserer illusionären dualen Weltsicht.

Bedingunngslose Liebe will nichts, da sie selbstlos und bedingungslos ist; sie brennt auch nicht - sie ist eher kühl, sie ist allumfassend in einer Dimension, die wir selten spüren. Wir erleben sie als mystisches Geschenk - wenn wir zuzeiten mit Allem eins sind. Fast alle Menschen sind selbst zu bedingungsloser Liebe nicht fähig; diese würde nämlich bedeuten, dass sie keinerlei Vorteile für ihre liebevollen Taten erwarten, auch nicht „in den Himmel zu kommen“.  Gott/Geist ist natürlich nicht auf Liebe beschränkt, sondern viel mehr; ''es'' ist Alles-DAS-Ist.

"Die Sonne scheint gleichermaßen über Sünder und Gerechte." Diesen Satz aus der Bibel haben die Christen selten wirklich verstanden und noch seltener konsequent ernst genommen. Die bedingungslose Liebe Gottes kommt allen Menschen ständig gleichermaßen zugute; nicht nur den braven, frommen, sondern auch denen, die gerade eine Lernaufgabe erarbeiten, die zu den Bereichen zählt, die gemeinhin als böse, schlecht oder sündig gelten (dies aber nicht wirklich sind).

Und deshalb braucht Gott uns auch niemals etwas zu vergeben ...  und Gott verdammt auch niemanden. Gott hat noch nie jemanden verdammt. Nur die Kirche maßt sich das an. Sie hat nicht nur die Sünde, sie hat sogar die Todsünde und die ewige Verdammnis erfunden. Sehen Sie, wie sich der Papst über Gott stellt? Wenn das keine Blasphemie ist. Zum Glück glauben das nur noch wenige Menschen. Man kann den Leuten heutzutage nicht mehr alles weismachen.

In diesem Zusammenhang möchte ich Sie an "das Gleichnis vom Unkraut  unter dem Weizen" in der Bibel erinnern:


"Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherren und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: sollen wir gehen und es ausreißen? Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune."

Wie ist dieses Gleichnis hier und jetzt zu deuten? Ich versuch mal: Der Acker ist natürlich die Erde. Der Samen sind sie, die Menschen. Die Wesenheit, die den Samen zur Aussaat zur Verfügung stellt ist der, der uns Menschen auf die Erde gesandt hat, Gott bzw. der Logos unseres Sonnensystems. Von ihm kommen sie, also ist er ihre wahre Heimat, das "Himmelreich" des Gleichnisses. Die beiden Sämänner sind die Verkörperung von Gut und Böse im Rahmen unserer dualen Sicht der Schöpfung. Der gute Sämann ist z. B. Jesus, weil die Menschen glauben, dass er das sogenannte Gute in ihnen fördert, der schlechte Sämann ist der Satan, von dem sie annehmen, dass er das sogenannte Schlechte in ihnen fördert. Da sie zuzeiten "gut" und ein andermal "böse" sind, fällt ihnen beides zu: sie haben Erfolg (Weizen) oder machen Fehler (Unkraut). Aus beidem lernen, durch beides wachsen sie aber.



Im Gleichnis wird keines von beiden behindert! Das ist der entscheidende Punkt: Gott lässt beide Samenarten wachsen bis zur Ernte, denn in der Dualität, als die uns diese Schöpfung erscheint, gibt es immer beides. Eines ist so wichtig wie das andere. Oder kann man von einer Medaille die eine Seite wegwerfen ohne auch die andere zu verlieren? Dieses Gleichnis belegt eindeutig, dass Sie beide Seiten der Dualität akzeptieren und leben dürfen, um ins Himmelreich zu gelangen, d. h. um erleuchtet zu werden. In diesem Gleichnis wird beides, Weizen und Unkraut geerntet: Der Weizen wird gegessen, das Unkraut zur Energiegewinnung genutzt - Wärme von innen und von außen!

Wenn Sie während des Wachstums eingreifen, zerstören Sie die Versuchsanordnung, die Basis für die irdischen Erfahrungen. Sie sollen ja in der illusionären Dualität lernen - erst danach könnt Ihr sie hinter euch lassen. Unsere zum Wachstum führenden Erfahrungen können sich nicht nur auf gut beschränken.


Die Kirche hat – um Verwirrung und Feindschaft zu stiften - einen Teil des Menschen und der gesamten Schöpfung als böse bezeichnet und verdammt. Hingebungsvoll, wie die Menschen im Fischezeitalter unter dem Einfluss eines verstärkten Hanges zu Idealismus und Hingabe nun einmal waren, haben sie daraufhin das Böse in sich verdrängt und ins Unterbewusste gedrückt und geglaubt, sie könnten sich dadurch von der Sünde befreien. So einfach und schnell werden sie das Böse aber nicht los; auch durch gute Vorsätze kann man die Dualität nicht überwinden. Lassen Sie sich das ruhig nochmal durch den Kopf gehen.

Nun besteht jedoch eine Tendenz, böse zu sein, wenn man sich dadurch einen Vorteil verschaffen zu können glaubt. Die Menschen neigen durch ihre Identifikation mit ihrem Körper und ihren Gefühlen zum Bösen, weil das Böse mit den niedrigen Schwingungen der Materie besser harmoniert als das Gute. Sie müssen sich nicht darum bemühen. Die Trägheit der Materie führt zur Bequemlichkeit. Vermutlich deshalb hat sich die Angst vor dem Bösen – vor Chaos und Verbrechen, vor Anarchie und "Wildwestmethoden" durchgesetzt und Kirche und Regierungen haben die Menschen in eine Flut von Ge- und Verboten, von Gesetzen und Vorschriften eingezwängt – angeblich immer in der Hoffnung, dass er dadurch ordentlich und ruhig lebt. Wenn man die Geschichte der letzten 2000 Jahre überblickt, kommt man sehr rasch zu dem Schluss, dass das Konzept kläglich versagt hat. Es ging immer nur um ''divide et impera''.



Wie anders kann man es denn erklären, dass brave Familienväter, die nach außen nur positiv bzw. gar nicht auffallen, insgeheim Kinder misshandeln, im Kriegsfall Frauen vergewaltigen und zu den schrecklichsten Grausamkeiten fähig sind? Die äußere Tünche bröckelt zuzeiten ab, das durch die Verbote verdrängte "Böse", das im Inneren als Schatten lauerte, bricht hervor. Es zeigt sich plötzlich, wo diese Menschen wirklich stehen. Die drei "S" haben die Entwicklung Jahrtausende lang oder mehr aufgehalten. Das ist von den Kräften, die hinter Kirche und Staat stehen auch so gewollt.

In den herrschenden Kreisen hat man sich überlegt, wie man die Gebote durchsetzen kann und hat es – ebenso primitiv wie naheliegend - mit Gewalt versucht. Man hat also selbst zu Mitteln des Bösen gegriffen, um das Böse von anderen Menschen zu verhindern. Wo – ich frage Sie – liegt der prinzipielle Unterschied zwischen einem Menschen, der einen anderen Menschen umbringt und einem Volk, das ein anderes Volk z. B. im Krieg umbringt und Machthabern, die – wie in den USA immer noch üblich – Bürger des eigenen Staates hinrichten?


Man kann natürlich trickreich Unterschiede konstruieren, um das eigene Tun zu verbrämen. In Wirklichkeit und Ehrlichkeit gibt es aber keinen. In allen drei Fällen handelt es sich um Mord, alle drei gehören in die Welt des Bösen. Schon allein daraus ergibt sich, dass gewaltsame Unterdrückung nicht funktionieren kann, denn dabei wird "der Teufel mit Beelzebub" ausgetrieben – auch und gerade dann, wenn die eine Gewalt "Justiz und Polizei" heißt. Es sind nämlich von Seiten der Herrschenden unlautere Motive am Werk: man hat das Ganze nicht inszeniert, um die Menschen spirituell zu fördern, sondern einzig und allein um selbst in Ruhe herrschen und ausbeuten zu können. Auch aus diesem Grund kann das System nicht zu echter Transformation führen. Das allein ist aber Sinn und Ziel des Lebens auf diesem Lernplaneten Erde!

Damit das ganze besser läuft, hat man den Menschen im Falle von Verfehlungen nicht nur weltliche Strafen angedroht und durchgeführt sondern auch göttliche. Wer bei Rot über die Ampel fährt, wer statt 50 km/h 80 km/h fährt, wer keinen Zoll oder zu wenig Steuern bezahlt oder Schwarzarbeiter anstellt, ist ein Verbrecher und ein schlechter Mensch. Da sich jeder Mensch schon des öfteren hat etwas zuschulden kommen lassen, laufen alle mit einem schlechten Gewissen herum und sind so hervorragend manipulierbar. Das antrainierte schlechte Gewissen und der Schuldkomplex wurden so tief in den Menschen eingefügt, dass es nur wenige gibt, die sich erfolgreich davon befreit haben. 


Vor Gericht spricht man bei Menschen, die ihre Tat nicht bereuen von einem "mangelnden Unrechtsbewusstsein" und man behandelt einen Angeklagten sanfter, wenn er seine Tat bereut. Das dient dazu, das verhängnisvolle System zu zementieren. Die Leute zeigen dann berechnend oder zwanghaft antrainiert – in jedem Fall aber verlogen – Reue, um eine mildere Strafe zu bekommen. Und spätestens beim übernächsten mal ist wieder alles beim alten.

Unser ganzes Gesellschafts-System ist absichtlich auf Unehrlichkeit und äussere Tünche aufgebaut – und zwar von staatlicher wie von kirchlicher Seite aus. Es ist ein schwarzmagisches System, das die Menschen aufhetzt statt transformiert. Natürlich muss man sich in einer menschlichen Gesellschaft bei der z. Zt. noch herrschenden Unbewusstheit auf gewisse Verhaltensregeln einigen und diese auch einhalten. Das kann auch die Integration der Persönlichkeit unterstützen.

Wer sich an die weltlichen Gesetze und die kirchlichen Ge- und Verbote hält, ist jedoch kein "guter" Mensch, schon eher ein gut dressierter; und deswegen nicht automatisch auch ein bewusster. Es kann sehr gut sein, dass ein Mensch gerade deswegen in seiner Bewusstseinsentwicklung schneller vorankommt, weil er sich an einige der Regeln und Gebote nicht hält und stattdessen seiner Intuition folgt.

Diese Regeln dienen ja nicht der Bewusstseinsentwicklung. Sie sollen nur ein von außen aufgezwungenes, unechtes Wohlverhalten erzeugen. Sie wirken nicht von innen heraus. Die Unterdrückung eines Teils der menschlichen Natur kann niemals dazu führen, dass sich der Mensch weiter entwickelt – er kann unter dem Einfluss von äußeren Regeln nicht frei experimentieren. Es kann zwar eine Lernaufgabe sein, dieses System zu durchschauen. Dazu war in den vergangenen Jahrhunderttausenden aber so viel Gelegenheit, dass es nun wirklich an der Zeit ist, neue Wege zu gehen, damit die Menschen rascher weiter kommen. Jedenfalls können sie diese neuen Wege für sich verwirklichen, auch wenn sie in einer Gesellschaft alten Stils leben. Es kommt allein auf Sie an, liebe LeserInnen. Wenn Sie wirklich wollen, dann können Sie sich aus dem Gefängnis der drei "S"  (Schuld, Sünde, Sühne) und ihrem Gewissen befreien. Lauschen Sie der inneren Stimme Ihrer Seele, dann landen die Botschaften des konditionierten Gewissens rasch auf dem Müll und die Intuition tritt an ihre Stelle.


Die Flut der Regel-Inflation im öffentlichen Leben wiegt den Bürger in Scheinsicherheit. Alles wird dadurch (scheinbar) ungefährlich. Er passt nicht auf – er träumt. Je sicherer das Leben erscheint, um so weniger aufmerksam ist der Mensch. Aufmerksamkeit, Präsenz im Augenblick, sind jedoch gefragt. Sie allein bringen uns bewusstseinsmässig weiter! Der Ruf "Safety first" (Sicherheit zuerst) darf nicht das alles einbeziehende Lebensmotto werden – sonst endet jedes spirituelle Wachstum.

Das Einhalten bzw. Übertreten von weltlichen Gesetzen und kirchlichen Ge- und Verboten wird nicht länger mit Schuld, Sünde und Sühne erzwungen werden können. Diese drei "S" sind höchst gefährliche Erfindungen, die den Menschen immer tiefer in Unfreiheit verstricken. Wir haben jetzt lange genug damit experimentiert – wir wissen jetzt, dass sie schaden. Genug ist genug! Wir sehen jetzt, dass das antrainierte Gewissen Kriege, Chaos, Blut und Tränen nicht verhindert und stattdessen die BewusstSeinsEntwicklung der Menschen aufhält. Die Liebe ist das Kind der Freiheit, nicht das Kind der Unterdrückung. Liebe wie Weisheit sind jedoch unser aller Ziel!

Wenn ein Mensch ein Gesetz übertritt, das die Gemeinschaft aufgestellt hat, zu der er gehört oder bei der er zu Besuch ist, dann mag es in Ordnung gehen, dass er das auf irgend eine angemessene Weise ausgleicht. Das sind dann eben die Spielregeln, an die er sich zu halten hat, wenn er sich dort aufhält. Er ist deswegen aber kein schlechter Mensch oder Sünder, sondern nur ein Mensch, der aus Bequemlichkeit handelt, oder der ein bisschen mehr riskiert als die anderen, um weiter zu kommen.

Die Menschen, die sich über die "Verbrecher" am meisten aufregen, haben mit diesem Thema ebenfalls noch selbst viel zu tun. Nach aussen gezeigte Wohlanständigkeit ist in der Regel nur Tünche! Der Schatten lauert … Im Grunde genommen sind die letztlich immer willkürlichen Eingriffe der (unbewussten!) Ordnungsbehörden überflüssig. Wenn sich eine Gesellschaft jedoch dafür entscheidet, und wenn sich immer wieder Menschen in diese Gesellschaft inkarnieren, dann hat das ganze seine Berechtigung, weil es dabei offensichtlich etwas zu lernen gibt. Die Gefahr liegt darin, dass sich dieses System über offensichtlich sehr lange Zeiten selbst erhält und Veränderungen verhindert. Das heißt, dass das System verhindert, dass die Menschen aus den begangenen Fehlern wirklich lernen und wachsen.

Wenn ein Mensch etwas tut, das in der betreffenden Gesellschaft als böse oder verboten gilt, dann sollte er es mit möglichst viel Bewusstheit und nur dann tun, wenn er sich dabei wirklich gut fühlt. Er muss allerdings bereit sein, die Folgen zu tragen, was ihm dann auch nichts oder nur wenig ausmachen dürfte. Es ist das gute und sehr nützliche Recht jedes Menschen, sich anders zu verhalten, als es von ihm erwartet wird. Viele Menschen nehmen dieses Recht Gott sei Dank mit einem guten Gefühl im Bauch wahr. Häufig steckt dahinter eine (sehr wichtige) Lernaufgabe. Auf diese Weise bauen sie erfolgreich das antrainierte Gewissen ab – ein langwieriger Prozess.

Je bewusster der Mensch handelt um so schneller begreift er, welche Lernaufgabe hinter seinen Taten steckt. Unterschätzen Sie z. B. nicht das hohe Ausmaß an Achtsamkeit, Geschicklichkeit, Organisationstalent und Präsenz im Augenblick, das der Beruf eines Einbrechers erfordert und trainiert. Auch auf diese Weise kann man bewusster werden – und alle Menschen kommen einmal dran. Wie fragte schon Bert Brecht: "Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Eröffnung einer Bank?"

Man kann die Menschen in zwei Gruppen einteilen: 1. diejenigen, die sich selbst dienen (die Egoisten), und 2. diejenigen, die den anderen dienen (die Altruisten). Beide Wege führen letztendlich zum Ziel. Häufig liegt eine Mischung vor. Lesen Sie zu diesem Thema diesen Artikel.

Die neue Weltbank in Peking 

Es ist außerdem alles relativ. Was in einem Staat und zu einer Zeit als böse gilt, wird in einem anderen Staat und zu einer anderen Zeit geduldet oder sogar belohnt. Das z. Zt. bei uns herrschende Zinssystem z. B. wird von der Gesellschaft akzeptiert und propagiert. Im Urchristentum galt es jedoch als verwerflich, Zinsen zu nehmen. Dies betrifft auch den Islam. Den Juden war es erlaubt und auf diese Weise machten sie sich bei den Nichtjuden unbeliebt. Inzwischen verlangen auch die Christen Zinsen. Auf diese Weise beuten einige Wenige den Rest der Menschheit aus. Wie lange noch?

Alles ist wirklich alles relativ. Niemand gibt uns das Recht zu urteilen - auch nicht den Gerichten. Und dort tadelt man das mangelnde Unrechtsbewusstsein – dabei ist der Betroffene vielleicht nur viel bewusster als Staatsanwalt und Richter. Der einzelne Mensch gleicht seine Handlungen auch nicht in jedem Leben selbst aus. Ausgleich und Ergänzung geschehen in der Summe aller Leben. Und es ist nach wie vor eines der Hauptziele des Menschen, sich aus dem Griff der Illusion der Dualität zu befreien - sie ist es, die ihn knebelt, nicht das Böse!


Wir verdrängen das Böse, weil wir Angst davor haben. Würden wir es nehmen und ansehen, dann verlöre es seinen Schrecken und könnte uns nicht schaden. Im Unbewussten belastet das verdrängte Böse als eine schwere Hypothek unser Handeln, Fühlen und Denken so sehr, dass wir zuzeiten das Gegenteil von dem tun, spüren und denken, was wir uns in unserem Tagesbewusstsein vorgenommen haben und wollen. Auf diese Weise hat sich für uns der duale Charakter dieser Welt ein weiteres mal gezeigt und diese falsche, illusionäre Ansicht weiter gefestigt.

Dieser faule Trick des Verdrängens kreiert immer nur neu den Eindruck, es gäbe gut und böse wirklich. Dabei haben wir es unter dem Einfluss unserer religiösen und weltlichen Führer nur wieder und wieder selbst neu erschaffen. Weizen und Unkraut dürfen gemeinsam wachsen? Ja, natürlich - sie müssen es. Täter und Opfer gehören immer zusammen. Wenn wir den Täter unter den Tisch fallen lassen und uns nur für das Opfer entscheiden, dann ist dieses kein Opfer mehr.

Da fällt mir die Geschichte eines Diebes ein, der eines Tages in einem buddhistischen Ashram in flagranti erwischt wurde. Die Mönche regten sich maßlos auf und verlangten vom Meister, er solle dem Dieb einen Platzverweis erteilen. Der Meister aber sagte: "Dieser Mensch, über den ihr euch so aufregt dient euch als Spiegel, ohne den ihr nicht wachsen könnt. Eure Erregung hat euch verraten. Der Dieb bleibt da."

Von Gurdjieff – einem berühmten spirituellen Meister aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts - wird berichtet, dass er einen Menschen, der in seiner Kommune in der Nähe von Paris immer wieder "störte" und die Schüler in heftigen Streit verwickelte, sogar bezahlte, damit er nicht wegginge. Dieser Mensch hat das Wachstum der Schüler beschleunigt, obwohl er oberflächlich betrachtet störte, also das Böse verkörperte.

Das sind bemerkenswerte Ereignisse, die ein bezeichnendes Licht auf unser Thema werfen. Was können Sie tun? Sie können diese Illusion von der Dualität nur überwinden, wenn Sie zumindest einmal darüber nachdenken, dass es vielleicht noch eine andere Sicht der Welt geben könnte und dass Sie nicht die einzig richtige haben. Als nächstes könnten Sie mit dem Gedanken spielen, einem Irrtum aufgesessen zu sein. So lange Sie nicht zumindest ansatzweise zulassen, dass Sie diese falsche Sicht von der Welt tatsächlich haben, so lange können Sie auch nichts dagegen unternehmen. Schließlich sollte Ihnen klar werden, dass diese Ansicht definitiv falsch, eine Illusion ist und erst dann können Sie über sie hinaus wachsen. Wenn Sie einen Teil von ihr verdrängen, der angeblich schlecht ist, dann zementieren sie die Dualität nur und werden sie niemals los.

In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, das Konzept der Erbsünde kurz zu beleuchten. Gibt es so etwas wie eine Erbsünde? Das Konzept der Erbsünde ist schlicht und ergreifend falsch; es kommt im NT nicht vor; es ist eine Erfindung von Augustinus und der Kirche zur Disziplinierung der Gläubigen. Die letzte Konsequenz davon ist die ewige Verdammnis der Sünder, welche die katholische Kirche noch heute predigt. Der biblische Sündenfallbericht ist falsch interpretiert worden. Die Gläubigen sollen durch Angst gefügig gemacht werden. Diese Konzepte von Erbsünde und ewiger Verdammnis verspotten Jesu Liebesbotschaft. Dieser katholische Gott ist noch nicht einmal gerecht – geschweige denn liebevoll oder christlich!


Und die Sache mit dem Teufel und den gefallenen Engeln? Auch hier liegt eine primitive Verdrehung der Schriften vor, die heute nicht mehr nötig ist, um den einfachen Leuten die Welt zu erklären. Sie schrecken im 21. Jahrhundert eher ab, weil sie durchschaut werden.

Das Böse ist ebenso Teil der Dualität wie das Gute. Auch über Fehler kommt das Licht der Erkenntnis. Die Theologen haben bis heute nicht schlüssig erklären können, wo das Böse herkommt. Sie haben gesagt, dass der Teufel der Ursprung des Bösen sei. Der Teufel ist aber ein Engel, der strauchelte, weil er der Versuchung des Hochmutes erlag. Versuchung? Hochmut? Aber das heißt doch, dass es das Böse schon vor ihm gegeben hat! Dann stammt das Böse also doch nicht von ihm. Von wem stammt es dann? Wir gehen in Teil zwei darauf ein.

Da die Menschheit die Dualität in ihrer strengsten Form mit Schuld, Sünde und Sühne erfährt, ist sie als ganzes zum Symbol des "Teufels" geworden - und der Teufel ist dabei das Symbol der Materie und der Sexualität. Deswegen hat der Jesus des NT einmal gesagt: "Der Teufel ist der Fürst dieser Welt." Der Teufel ist der Repräsentant unserer unbewussten Schattenbereiche, die uns in Unbewusstheit halten. Sexualität und Materie sind aber weder gut noch schlecht. Beides sind Energien ...


Nur eine zu lange Verhaftung in der Materie - über die nötigen Erfahrungen hinaus - behindert unseren Weg nach Hause zu Gott – ist jedoch ebenfalls keine Sünde. Deshalb ist der Teufel als Verkörperung des Bösen als das Sinnbild der Materie geeignet. Der Teufel ist ein Symbol im Rahmen unserer fiktiven, illusionären, dualen Weltsicht. Auch dazu im Teil zwei mehr.

Und was ist mit den Engeln? Engel sind eigenständige Wesenheiten, die nur in Ausnahmefällen einmal als Menschen mit einem Materiekörper inkarnieren. Sie machen andere Erfahrungen auf anderen Seinsebenen, an denen sie wachsen und ihr Bewusstsein erhöhen können. Sie sind bewusstseinsmäßig vergleichbar mit den erleuchteten Meistern verschiedener Grade.

Das Problem mit dem Gottesbegriff rührt daher, dass die Menschen – allen voran die verbildeten Theologen – immer wieder versucht haben, irdisch beschränke (duale) Konzepte mit unredlichen Hintergedanken in höhere Bereiche hineinzuprojizieren, in denen diese Konzepte überhaupt nicht greifen. Im Grunde genommen erschuf der Mensch seinen Gott nach seinem Ebenbilde und nicht umgekehrt. D. h. alle Religionen und die dazugehörigen Götter sind vom Menschen gemacht oder zumindest ausstaffiert – passend zum beschränkten dreidimensionalen Weltbild. Es sind sehr oft Sonnengötter.

Bevor wir schließen möchte ich in wenigen Worten die Kernpunkte von Jesu "Frohbotschaft" zusammenfassen, so wie ich sie verstehe: Die Menschen dürfen erkennen,

dass alle Menschen Kinder des einen Gottes/Geistes sind und deshalb Brüder und Schwestern,

dass des Menschen unsterblicher Gottesfunken, die Seele, ewig ist

dass es keinen Tod gibt, nur ein Wechseln des physischen Gewandes, und

dass sich der Wille Gottes offenbart, indem sich sein Plan mehr und mehr entfaltet.

Möge in jedem von Ihnen, liebe LeserInnen, das angeborene Christusbewusstsein von Liebe wie Weisheit im Herzen in all seiner Herrlichkeit zur Blüte kommen.


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